Fortlaufende Serie · begonnen 2026
Was gleichzeitig in uns lebt
Diese Serie begann in einer Zeit, in der sich mein Blick auf mein eigenes Leben stark verschob. Mit der Geburt meines Sohnes wurden Fragen nach Identität, Erinnerung, Nähe und Veränderung plötzlich sehr konkret. Ich begann, meine eigene Kindheit anders zu sehen, über meine Mutter nachzudenken und darüber, was wir von anderen Menschen mitnehmen und weitertragen.
Mich beschäftigt dabei auch, was uns überhaupt in Bewegung bringt. Manchmal sind es Ereignisse, manchmal Gefühle oder die Menschen um uns herum. Wir beginnen, unsere eigenen Entscheidungen anders zu sehen, fragen uns nach den Motiven anderer und verstehen manches erst viel später – aus einer neuen Erfahrung oder einer veränderten Perspektive heraus. Nicht jede Veränderung beginnt mit einer bewussten Entscheidung. Oft merken wir erst im Rückblick, dass sich längst etwas in uns verschoben hat.
Diese Bewegung zieht sich auch durch die Bilder. Linien wechseln ihre Richtung, Formen kreisen, Schichten überlagern einander, Spuren tauchen auf und verschwinden wieder. Nichts bleibt ganz in seinem ursprünglichen Zustand. Für mich entspricht das der Art, wie Erfahrungen in uns weiterwirken und unseren Blick auf uns selbst und auf andere verändern.
Die Arbeiten erzählen keine abgeschlossene Geschichte und folgen keiner geraden Entwicklung. Sie bewegen sich durch unterschiedliche Zustände: einen kaum bemerkten Anfang, einen radikalen Übergang, Erschöpfung und Selbstverlust, das langsame Wiederauftauchen des eigenen Ichs, Verlust und Erinnerung und schließlich die Frage, wie wir andere Menschen in ihrem Werden begleiten.
Mutterschaft ist der konkrete Erfahrungsraum, aus dem diese Arbeiten entstanden sind. Die Fragen, die darin auftauchen, reichen für mich aber weit darüber hinaus. Es geht um Übergänge – um Momente, in denen etwas Vertrautes nicht mehr ganz trägt und etwas Neues bereits begonnen hat.
01
Becoming
Etwas Neues kann längst begonnen haben, bevor seine Bedeutung sichtbar wird. Während das vertraute Leben weitergeht, entsteht bereits etwas, das später alles in eine andere Richtung bewegen wird.

02
Passage
Manche Übergänge geschehen plötzlich und ohne wirkliche Pause. Das Vorher ist noch da, während das Danach bereits begonnen hat. Passage entstand aus der körperlichen und unmittelbaren Erfahrung einer Geburt – aus einem Moment, in dem das eigene Leben eine neue Richtung bekommt, bevor man überhaupt begreifen kann, was gerade geschieht.

03
Unraveling
Schlafmangel, Erschöpfung und ständiges Funktionieren lassen das Gefühl für das eigene Ich immer weiter zurücktreten. Liebe und Selbstverlust schließen einander dabei nicht aus. Sie können gleichzeitig existieren.

04
Holding
Nach einer Zeit des bloßen Funktionierens entstehen langsam wieder kleine Räume für das eigene Leben. Es ist keine Rückkehr zu der Person, die vorher da war. Etwas kommt wieder zum Vorschein, verändert durch das, was geschehen ist.

05
The Shape of Missing
Mit der Geburt meines Sohnes bekam die Abwesenheit meiner verstorbenen Mutter eine neue Dimension. Die Arbeit beschäftigt sich mit einer Verbindung zwischen drei Generationen – und mit der Frage, wie eine Beziehung in uns weiterleben kann, obwohl ein Mensch nicht mehr da ist.

06
What We Carry
Erinnerungen bleiben nicht so, wie sie einmal waren. Manche sind noch klar, andere werden undeutlicher oder verschwinden fast vollständig. Trotzdem tragen wir etwas weiter: Gesten, Nähe, Erfahrungen und die Spuren der Menschen, die uns geprägt haben.

07
Emerging
Emerging entstand aus der Energie und Intensität meines Sohnes und aus der Frage, was es bedeutet, einen Menschen in seinem Werden zu begleiten. Nicht alles muss geformt, geglättet oder in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Manches braucht vor allem Raum.

Fortlaufende Serie · 2026
Die Serie wächst weiter
Für mich ist diese Serie nicht abgeschlossen. Sie führt nicht von einem schwierigen Zustand zu einem besseren und auch nicht auf ein endgültiges Ziel hin.
Mich interessiert, was uns in Bewegung bringt und was diese Bewegung mit uns macht: was verloren geht, was bleibt, was wir später anders verstehen und was neu entstehen kann. Jede Arbeit beginnt mit einer konkreten Erfahrung. Zusammen sind sie aber kein Bericht über mein Leben. Sie öffnen einen Raum für Erfahrungen, die auch außerhalb meiner eigenen Geschichte existieren.
Das achte Werk entsteht derzeit.
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